5. Kurs Alexandertechnik und Reiten mit Walter Tschaikowski am 7. - 9.05.2010 in Köln Königsdorf

Walter schrieb den Kurs so aus:
Anatomisch richtig Schritt und Trab reiten

Die Kunst des Reitens ist völlig abhängig von der Balance des Reiters/derReiterin. In diesem Seminar vertiefen wir das anatomisch richtige Gehen(ohne Pferd) und arbeiten auf dieser Grundlage am Schrittreiten.
Als Vorbereitung auf ein systhematisches Entwickeln des Trabens werden wir uns sowohl mit der Monkey Position als auch mit Joggen beschäftigen.
Die Monkey Position, auf spezielle Weise ausgeführt, ist die optimale Vorbereitung auf das Leichttraben. Exaktes Leichttraben ist eine anspruchsvolle Kunst, die zu beherrschen bzw. zu erlernen wir jedoch dem Pferd schuldig sind, solange es noch nicht völlig ausbalanciert und stabil ist.
Durch anatomisch richtiges Laufen bzw. Joggen bereiten wir uns auf das Aussitzen des Trabs vor.
Um unsere Bewegungen mit denen des Pferdes im Trab richtig und harmonisch koordinieren zu können, benötigen wir eine genaue praktische Kenntnis der Bewegungsabläufe bei uns und beim Pferd. Nur so werden wir wirklich ausbalanciert sitzen und das Pferd in seiner Balance fördern können.

Der Seminarleiter Walter Tschaikowski ist Lehrer der Alexander-Technik seit 1985. Er beschäftigt sich seit 12 Jahren mit der Entwicklung einer anatomisch gültigen Reitweise, die systhematisch und stressfrei erlernt werden kann. Diese Reitweise wendet sich an Menschen, die den Wunsch haben, ihre individuelle Bewegungssteuerung zu hinterfragen und zu optimieren.

 

Unser nun 5. Kurswochenende Alexandertechnik und Reiten mit Walter Tschaikowski : 7.- 9. 5.2010 hat wieder einmal einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Anders als in den vorherigen Kursen sind meine Gefühle nicht überschwänglich begeistert, sondern ich habe einen Schatz in einer anderen, tieferen Ebene entdeckt.

In den Wochen vor dem lang ersehnten Kurs war Jocker durch seine Probleme mit hohlen Wänden der Vorderhufe nicht reitbar. Dafür arbeitete ich regelmäßig mit Flower und war sehr glücklich und stolz über unser Fortkommen.

Vom Boden aus, in der Halle unter dem Sattel und im Gelände versuchte ich unsere Kommunikation immer fein zu halten und war meist sehr zufrieden mit uns.

Ich freute mich sehr darauf zeigen zu können, dass es uns gelungen war, an die positiven Ergebnisse unseres letzten Kurses anzuknüpfen und wie viel Gutes wir weiter entwickeln konnten.

Freitag stimmten wir uns ab dem späten Nachmittag ohne Pferde auf das Wochenende ein.
Es ist erstaunlich, nach nur wenigen Minuten treten Pläne und Ziele in den Hintergrund und eine im Alltag unerreichbare Form von innerlicher Ruhe wirkt im positiven Sinne ansteckend auf die Gruppe.

Neue Teilnehmer des Kurses finden sich rasch in die Gruppe ein.
Für mich fühlt es sich an als wäre da eine unhörbare Musik, auf die sich die unterschiedlichen Menschen einstimmen. Jeder Mensch bringt eigene Tonlagen, Facetten und unterschiedliche Rhythmen mit in den Raum, sie finden zusammen, gleichen sich einander an, ohne einander zu verbiegen oder einzuschränken.

Offensichtlich sieht man eine altersgemischte Gruppe von Frauen die in einem Halbkreis Walter gegenüber sitzen.
Nach einer Vorstellungsrunde sind die „Neuen“ nicht mehr neu, sondern Mitglieder des Gruppe. Walter lädt uns ein, uns zu erlauben gewöhnliche Bewegungsabläufe des täglichen Lebens wie Gehen und Stehen bewusst in einzelne Bewegungsabschnitte zu unterteilen.

Diese Übungen machen deutlich, dass wir uns angewöhnt haben, einige Muskeln unseres Körpers zu gebrauchen, obwohl das nicht nötig wäre, wenn wir uns nicht selbst aus der Balance bringen würden.

Staunende Fragezeichen stehen uns im Gesicht wenn wir überlegen, was macht unser Körper unbewusst, bevor wir nach der getroffenen Entscheidung auf ein Ziel loszugehen, uns in Bewegung setzen. Bewegt sich ein Fuß zuerst? Eine Hand nach vorn? Eine Schulter zurück? Was ist mit dem Blick?

Erklären kann ich das nicht, muss ich auch nicht, weil es zum einen die Kurse mit Walter gibt und zum anderen seine Bücher.

Freitag Abend sind wir unserem eigentlichen Ziel, unsere Körper auf die Bewegungsabläufe vorzubereiten die erforderlich sind, ein Pferd im Trab nicht zu stören, noch nicht erreichbar Nah gekommen.

Im Lauf des Samstag machten wir in der theoretisch / praktischen Arbeit ohne Pferd Fortschritte, aber in Kombination mit den Pferden blieben wir bis auf wenige Ausnahmen im Schritt.

So arbeite ich auch mit Flower gemeinsam weiter am Schritt.

Walter gibt den einzelnen Reiter und Pferdepaaren die zunächst zu harmonieren scheinen, im Halt und Schritt kleine Impulse. Die führen dann dazu, dass Pferd und Reiter für die Gruppe sichtbar noch harmonischer miteinander agieren.

Vor diesem Kurs hatte ich die innere Wahrnehmung, dass ich recht balanciert auf Flower sitze. Meine Beine locker am Pferd liegen, mein Becken die Bewegung der Pferde durchlässig aufnimmt. Daraus ergab sich der innere Eindruck einen ruhigen Oberkörper zu haben und damit die Voraussetzung geschaffen sei, meine Hände dazu gebrauchen zu können, die Zügel halten zu können ohne einen ungewollten Impuls an das Pferdemaul zu geben. Und ganz sicher bewegt sich mein Kopf nicht ungewollt in irgend eine Richtung.

Okay, ich neige dazu die Ohren meiner Pferde beim Reiten fest im Blick zu behalten, weil es ja sein könnte, dass sie zwischenzeitlich verloren gehen. Und es könnte sein, dass ich zum Treiben ein winziges bisschen die Absätze hoch ziehe, aber nur wenn ich mein, dass das nötig ist.

Unter den wohlwollenden Blicken der anderen Kurteilnehmer musste ich darauf achtend im Spiegel zur Kenntnis nehmen, dass mein Oberkörper und damit auch mein Kopf eine sanfte ausgleichende Bewegung vor und zurück machte. Ein nur leicht angenommener Zügel führte dann dazu, dass Flower ihr Halskopfgelenk fest hält was mittelfristig dazuführen kann, dass sie sich angewöhnt, ihren Hals mit einem „falschen Knick zu tragen.

Wie Walter dieses Bewegungsmuster auflöst bleibt mir verschlossen aber das Ergebnis ist, dass das Aufeinandertreffen der Bewegung von Flower und meine Bewegung eine Dynamik entwickelt, in der ich mich im Schritt auf dem Pferd nicht mehr zu bewegen scheine. Oder anders ausgedrückt: Pferd und Reiter erlauben einander die Bewegung des anderen durchlässig fließen zu lassen und werden EINS.

Mir gelingt diese Verschmelzung nur am hingegebenen Zügel.
Damit rauscht mein Wochenendziel vom Traben im Sinne der Alexandertechnik in die unerreichbare Ferne eines weiteren Kurses.

Der Sonntag und damit der letzte Kurstag soll dieses nochmal neue Gefühl von Losgelassenheit und Balance auf und mit dem Pferd vertiefen, damit ich in der Zwischenzeit daran weiter arbeiten kann.

Diese Form von Balance und Zusammengehörigkeit ist nicht mit dem Kopf erlernbar.
Es ist den meisten von uns mehr oder weniger abhanden gekommen reelle Balance wahrnehmen und damit herstellen zu können.
Das macht es so schwierig ohne einen Lehrer der Alexandertechnik „alleine“ weiter zu arbeiten.

Es gibt aber Parameter die wir schnell selbst überprüfend anwenden können, um trotzdem einiges mit in den Alltag, auch im Sattel, mitzunehmen.

Sind die Gelenke offen? Der Blick frei? Habe ich Kontakt zu den Steigbügeln/zum Boden? Höre ich die Vögel oder andere Außengeräusche noch? Bewegt sich die Reithalle scheinbar auf mich zu? Oder bewege ich mich auf des Ende der Reitbahn zu?Läßt mein Körper die Bewegungen des Pferdes bis über meinen Kopf hinaus zu?

Spüre ich die Bewegung des Pferdes bis über seinen Kopf hinaus?

Die Kurse Alexandertechnik & Reiten ersetzen für mich nicht den Reitunterricht im bekannten Stil, sie ist die Basis die mir im Unterbewussten fehlte und entwickelt sich zur Krönung des feinen Reitens.

aktualisiert 14.05.2010

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