LENA

Lena QH Geb. 8.1993,

kam laut Papieren 6.1997 nach Deutschland wurde

Feb. 2001 von ihrer jetzigen Besitzerin gekauft.

Sie lahmte erstmalig Ende März 2001.

Diagnose: schwerer Hufrollenbefund vorne links.

Eigentlich wollte die Besitzerin Lena unmittelbar nach der Diagnose einschläfern lassen. Sie hatte die Bilder von Pferden im Kopf, die mit gleicher Diagnose nach einem Nervenschnitt oder und Spezialbeschlägen ein eher zweifelhaftes Dasein fristen.

Dr. G. machte ihr den Vorschlag, sie als „Versuchspferd“ für eine Orthovoltage - Behandlung (Röntgenstrahlen) -einzusetzen.

Lena wurde insgesamt fünfmal vorn links bestrahlt und danach verschwand die Lahmheit vorn links und ist bis jetzt nicht wieder aufgetreten.

Dafür nahmen Phasen der Lahmheit vorne rechts oder auch hinten zu. (Eine Übersprungshandlung wurde überprüft und ausgeschlossen.)

Die Stute war zwei Mal mit „Reheverdacht“ in eine Tierklinik gebracht worden. Diese Befürchtungen bewahrheiteten sich zwar nicht, aber die Ursache für den deutlichen Wendeschmerz wurde nicht gefunden.

Die Stute wurde von unterschiedlichen TÄ untersucht, geröntgt, behandelt, wegen wechselnder Lahmheiten, Husten und Juckreiz im Frühjahr am Mähnenkamm.

In diesem Frühjahr verschlechterte sich der Zustand der Stute in Verbindung mit dem langsamen Anweiden deutlich und rapide. War der Auslöser der Aufenthalt auf der Weide, - und dadurch mehr Bewegung oder das Gras? Auch wurde Unruhe durch neue Pferde in die bestehende Gruppe gebracht. Lena hat auch Tritte abbekommen und verteilt, die aber nicht den Gesamtzustand der Stute erklären können.

In den letzen Monaten hat die Stute dauerhaft Aspirin bekommen. Das in Kombination mit ihrem Beschlag schien ihr gut zu tun und sie blieb nahezu lahmfrei, aber nie locker im Rücken.

Mit dem erneut wieder verschlechterten Gangbild stand die Besitzerin wieder vor der Entscheidung, die Stute in den Pferdehimmel gehen zu lassen.

Eine Entscheidung, die sehr schwer fällt, vor allem nach so vielen Jahren immer wieder Hoffen und „guten, symptomfreien” Zeiten.

Der Wunsch, dass dieser neue Schub der Letzte sein könnte und dann die Stute ein schmerzfreies Leben auf der Weide führen könnte, ist groß. Die Angst, daß nach diesem Schub ein Neuer kommt, bei dem Pferd und Besitzer gleicher Maßen leiden, auch.

Also beschließen wir gemeinsam, die Stute über den Sommer zu mir auf den Hof zu stellen und wenn möglich in die Herde zu integrieren.

Wir treffen eine Vereinbarung die beinhaltet, dass ich entscheiden darf, wann welcher Therapeut ans Pferd darf, wann und wie die Hufe bearbeitet werden. Ich übernehme das Bewegungsprogramm des Pferdes, für den Fall, dass wir so weit kommen.

Die Stute hat nun einen vorläufigen Zeitrahmen bis Ende des Sommers zur Verfügung.
Bis dahin muss der Schmerz und die Trauer aus ihrem Gesicht verschwunden sein. Wir müssen den Eindruck gewinnen, dass die Stute ein lebenswertes Leben als Weidepferd führen könnte. – Dann werden wir weiter sehen, ob unsere subjektive Meinung auch bei außentstehenden Menschen, wie z.B. einem unabhängigen TA Bestand haben kann.

Juni 08
Einen Kurzbesuch und zwei Behandlungen später, geht es Lena konstant besser als vor der Ankunft als bei uns.

Sie hat sich sehr schnell in die Herde integrieren können, bewegt sich zufrieden im Mittelfeld. Eine besonders auffällig freundschaftliche Beziehung hat sie zur Jährlingsstute Varusha, deren Mutter in der Zwischenzeit auch wieder in die Herde zurück integriert wurde.

Dieser Umstand hatte kurzfristig zu einen massiven Verschlechterung von Lenas Gesundheitszustand geführt, weil Lena Venetia verständlicher Weise für ein fremdes Pferd gehalten hatte. Sie hatte vehement mit körperlichem Einsatz versucht, Venetia von der Herde und besonders von ihrer Tochter fern zu halten.

Nach einer Stunde trennten wir Venetia für eine Woche von der Herde. Besonders zu ihrem Schutz, damit die noch junge neue Trächtigkeit keinen Schaden nimmt.

Nach einer Woche Bekanntschaft Zaun an Zaun war die Integration problemlos. Nach nur 4 Tagen herrschte wieder völlige Ruhe und Friede in der Herde.

Lena bewegt sich gern und nimmt sehr motiviert an den kurzen, intensiven Tobephasen der Herde teil.

Die Hufe wollen in eine deutliche andere Form wachsen, als das mit Eisen der Fall war.
Auf der Weide bewegt sie sich deutlich besser als auf hartem Boden. Der noch „junge“ Barhuf ist etwas fühlig, mit der Tendenz zur Besserung.

August 08
Lena ist sicher in die Herde integriert und sehr ausgeglichen.
Auf der Weide kann sie sich gut bewegen, da ist kaum eine Lahmheit zu erkennen. Sie trabt und galoppiert aus freien Stücken, animiert häufig sogar zum Laufen.

Auf hartem Boden bewegt sie sich leider noch immer bescheiden. Die ersten Tritte sind manchmal wirklich schlecht anzuschauen. Sie selbst scheint das weniger zu stören als uns Menschen. Ich kann nicht beobachten, dass sie sich aus Unpässlichkeit Wege erspart. Ihr Gesichtsausdruck hat sich positiv verändert. Sie strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Ihre Hufe wachsen gut, aber die Gesetze der Natur können wir nicht außer Kraft setzen. Es wird noch einige Monate dauern, bis das Horn ein Mal durch gewachsen sein wird.

Das weiße auf den Bildern ist Feuchtigkeitscreme.

Ende September und Ende Oktober hat G.O. Lena chiropraktisch und osteopathisch behandelt.

Sie kennt die Stute schon fast 4 Jahre und bestätigte uns den insgesamt deutlich verbesserten Gesundheitszustand der Stute. Sie hat deutlich Muskulatur aufgebaut und nutzt die gewonnene Bewegungsmöglichkeit im Vergleich zu der Haltung in ihren vorhergehenden Ställen.

Wir haben für die Pferde eine Möglichkeit gebaut, 1/3 der Sommerweide auf einem ca. 4-5 m bereiten Weg zu umrunden. So haben sie die Möglichkeit, auf einer Länge von fast 500m einzelne Grashalme zu finden oder Wettrennen zu veranstalten. - Beides gefällt Lena bestens ;-)

November 08
Lena hat schönes Winterfell bekommen. Für ihre Verhältnisse ist es lang und dicht, aber noch nicht ausreichend warm. Das hübsch anzusehende, flauschige Fell lädt zum Kuscheln ein und sieht schön aus, aber Lena stellt es leider häufig auf.
Das ist ein Anzeichen, dass sie zwar noch nicht die Muskeln zittern lassen muss, aber ihr ist es dann auch nicht wirklich warm.

(Häufig sind von Herbst bis Frühjahr Pferde mit „hübsch“ aufgestelltem Fell zu beobachten, das ist traurig! Ihre Besitzer wissen nicht, dass ihren Pferden kühl ist und nicht angenehm warm! Diese Pferde sollten mindestens bei nasskaltem Wetter nachts eine Decke tragen und sollten in Offenställen gehalten, nicht ohne Decke im Regen stehen!)

Lena braucht zusätzlich zum Raufutter „satt“, Hafer Kraftfutter, gemischt mit etwas Luzerne. Die Menge steigern wir langsam von Woche zur Woche, zur Zeit bekommt sie knapp 1 kg am Tag aber sie schafft es noch nicht, ihr Gewicht zu halten.
Ihre Hufe sind vorne schon ein Mal durchgewachsen! Hinten fehlen nur noch wenige mm. Auf weichem Boden kommt sie immer noch deutlich besser zurecht als auf der befestigten Fläche, aber sie nimmt immer seltener eine hinten trachtenentlastende und vorn trachenbelastende Schonhaltung ein. Ihre Rücken- muskulatur entspannt sie langsam aber stetig.

Nach den Behandlungseinheiten durch Herrn Dr. M. P. ließen wir der Stute zunächst Zeit, unterstützt durch seine empfohlenen homöopathischen Mittel auf die Therapie zu reagieren.

April 09
Fast ein Jahr ist Lena nun bei uns. Nein, sie ist kein Reitpferd geworden, aber sie genießt ihr Leben in vollen Zügen.

Es ist nicht leicht, ihren jetzigen Gesundheitszustand zu beschreiben.
Wenn ich sie mit einem gesunden QH gleichen Alters vergleichen würde:
Schlecht - weil nicht reitbar.
Gut - wenn ich ihren Zustand mit letztem Jahr vergleiche.

Sie ist eine freundliche, aufmerksame und bewegungsfreudige Stute geworden. Sie schaut jünger aus als letztes Jahr, kommt gut durch den Fellwechsel und hat eine sichere Position in der Herde.

Januar 2010
Lena hat ein neues Zuhause gefunden.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten wir Lena am 23.01.2010.

Die Entscheidung und die Trennung ist der Besitzerin nicht leicht gefallen.
Im vergangenen Herbst hatte ich begonnen Lena mit Bodenarbeit auf eine mögliche Zukunft als Reitpferd vorzubereiten. Dabei kam sie schnell mental an ihre Grenze.

Lena hat irgendwann in der Vergangenheit gelernt, dass sie Menschen verängstigen kann, wenn sie sich einer Anforderung durch Steigen entzieht. Dieses Register zieht sie bei der Bodenarbeit und auch unter dem Sattel und scheint mit diese „Masche“ schon oft im Leben Erfolg gehabt zu haben.

Ich fühlte mich durch ihr Imponiergehabe niemals persönlich angegriffen und habe es immer schaffen können, unsere kleinen Arbeitseinheiten zu unser beider Zufriedenheit zu beenden. Ihre Besitzerin hatte nur den Wunsch ein braves Ausreitpferd zu besitzen, mit dem man auch ein paar friedliche Runden auf einem Reitplatz drehen kann. Das wäre in absehbarer Zeit nicht möglich gewesen, weil Lena mental nicht bereit war, sich den Aufgaben eines Reitpferdes zu stellen.

Es gab nur 2 Möglichkeiten die Stute zu einem Reitpferd zu machen:
Entweder hätte jemand die Stute brachial zwingen müssen zu funktionieren, so wie sie es in jungen Jahren gelernt hatte. Mit ungewissem Ergebnis. Ein solches Pferd wäre von der Besitzerin nicht zu bedienen gewesen und die Vorgehensweise indiskutabel.

Oder wir würden es schaffen das Trauma der Stute zu lösen, in dem wir in winzigen Schritten versuchen die gesamte Ausbildung neu zu starten. Ebenfalls ohne Erfolgsgarantie.
Zum Einen weil Lena von ihrer Art eine temperamentvolle, dominante Stute ist, die fair und freundlich behandelt - aber geführt werden will. Da ist die Kombination mit einem ängstlichen Reiter sehr ungünstig.

Zum Anderen weil die Stute in den letzten Jahren immer wieder Lahm ging und ein solider Trainingsaufbau dadurch nicht möglich war. Vor allem mentale regelmäßige Arbeit in freundlicher Atmosphäre wäre für die Stute sehr wichtig gewesen. Die mangelhaften körperlichen Voraussetzungen verhinderten das.

So wurde eine „stille Post“ in die Welt der Pferdemenschen gestartet, dass ein Beistellpferd eine neue Aufgabe sucht und so hat Lena nun ein neues Zuhause gefunden. Hier ist Lena wenige Tage vor ihren Abreise.

Wäre Lena mein Pferd gewesen, hätte ich versucht sie trotz Taktfehler regelmäßig Auszureiten.
So lange die Stute nur geputzt wurde und nichts darauf hin deutete, dass der Mensch sie zu irgendetwas zwingen will, war sie sanft und freundlich. An einem schlechten Tag konnte der Wunsch ihre Hufe auskratzen zu wollen sie dazu veranlassen sich massiv zu widersetzen.
Gegendruck und Strafe konnte unter Umständen für den Menschen zum Ziel führen. Wenn Lena aber wusste, dass ihr Gegenüber sich fürchtete, ging „der Punkt“ immer an sie. Ihrer Besitzerin gegenüber war Lena meist freundlich zugewandt, aber es gab auch Tage, an denen sie die Welt nicht verstand - warum das Pferd so massiv gegen alles war. Selbst das geliebte Kraftfutter fraß sie dann nicht ohne Zappeln und Hampeln, wollte nicht zu ihrem Wohl von den Anderen auf engem Sichtkontakt hinter einer Litze abgetrennt stehen, die die ranghohen Tiere davon abhalten sollte Lenas Futter zu fressen.

Ich habe im Lauf der letzten Monaten ein gutes Verhältnis zu ihr aufgebaut. Ich brauchte kein Halfter um sie zu holen oder wegzuschicken. Ich mochte dieses sensible und sanftmütige Pferd sehr, so wie sie war.

Bevor sie zu uns kam warnte man mich, sie nicht in die Herde zu integrieren, weil sie rangniedere Tiere attackierte und versuchte in eine Ecke zu drängen und zu treten.
Sie versuchte es wirklich, ich hab sie dann angemeckert und ihr zu verstehen gegeben, dass sie nicht bleiben kann wenn sie sich so aufführt. Nach dem 3. Angriff war ich so sauer, dass ich der Besitzerin mitteilte: noch eine solche Attacke und „das war es dann“ für Lena in der Herde.
Danach sah ich nie wieder so ein Verhalten bei ihr und das Zielpferd ihrer Wutanfälle durfte an ihrer „grünen Seite fressen“.

Nach monatelangem Aufenthalt auf der Weide war es mir möglich mit Lena an unserer verkehrsreichen Straße entlang zur Halle zu gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie mit Panik reagieren könnte. Obwohl jeder einzelne Muskel gespannt war und sie bei jedem Schritt aufgeregte „Schnarchgeräusche“ von sich gab, sich permanent die Lippen leckte, häufig schnaubte und auch mal leicht tänzelte, war ich sicher sie würde den Platz auf meiner Seite nicht verlassen.

Erst in der Reithalle wurde ihr Verhalten aufmüpfig und renitent. Eigentlich hätten wir es bei dem Spaziergang zur Halle belassen müssen, aber selbstverständlich wollte die Besitzerin nun auch noch sehen, wie sich Lena in der Halle bewegen würde.

Zwischendurch konnte auch Lena nicht verbergen, dass ihr das Laufen in der Halle vom Boden her angenehm war. Aber das Pferd wirkte völlig verkrampft und gestresst. Und das lag nicht daran, dass wir sie von der Herde getrennt haben. Das haben wir ausgeschlossen! In weiser Voraussicht haben wir 2 Pferde der Herde als seelische Begleitung mitgenommen, die schien sie aber nicht wahrgenommen zu haben.

Sie rempelte und rüpelte und nach dem Verlassen der Halle war an das vorgeschriebene Hufe auskratzen nicht zu denken. Auf dem Weg nach Hause entspannte sie sich zunehmend und war am Stall fast wieder „die Alte“.

An dieser Stelle hätte ich beginnen können, die Stute regelmäßig in kurzen Abständen in einen veränderten Alltag zu integrieren. Das wäre für die Besitzerin mit deutlichen Kosten und einem erheblichen Zeitaufwand verbunden gewesen, - mit einem ungewissen Ausgang.

Ich verstehe und begrüße ihre Entscheidung sich von ihr zu trennen. Sie hatte mir in der Vergangenheit mehrfach angeboten, mir das Pferd zu überlassen, aber ich kann mir weder aus Zeitgründen noch finanziell erlauben, ein 3. Pferd im gleichen Alter von Flower und Jocker zu versorgen.

So hoffe ich sehr, das Lena in ihrem neuen Zuhause verstanden und so geliebt wird wie sie ist und nicht ein weiteres Mal an Menschen gerät, die sie dominieren wollen.

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