Fütterung ist auf den ersten Blick sehr einfach.

Was Pferde fressen weiß jedes Kind: Gras, getrocknetes Gras und gutes Futter in Form von Hafer oder speziell auf den Pferdetyp oder den Sport zugeschnittenes Spezialfutter. Obst, besonders Äpfel, gern getrocknetes Bot, viele Möhren, Pferdeleckerli, Mineralfutter, Salzstein, - fertig.

Es ist auf einer Fachmesse für Pferde möglich, sich mit den einzelnen Herstellern von Spezialmüslis ausgiebig darüber zu unterhalten, ob ein Western gerittener Araber Western-Futter fressen sollte oder, weil er schon 16 ist, lieber Senior Futter? Oder Freizeitmüsli?

Besonders beeindruckend im Ohr ist mir ein Hersteller der uns versprochen hat, dass, wenn wir den eher übergewichtigen Ponys unserer Herde ein „Weidebei“ zu füttern, diese in der Weidesaison weniger dick werden würden, weil die ausgewogene Nährstoffversorgung zu einem Sättigungsgefühl führen würde.

So weit die gängige Praxis.
Sich davon zu lösen ist nicht so einfach wie es scheint.

Der Speisezettel frei lebender Pferde ist sehr abwechslungsreich. Darüber habe ich mir bis vor einigen Wochen keine großen Gedanken gemacht.
Gras - unzählige Sorten, verdorrtes Gras, von Bäumen und Sträuchern Zweige, Blätter, Moose, Blüten, Knospen und Rinden, Wurzeln, Samenkörner, Früchte, Knollen, sowie saisonale Kräuter. Sie lecken an Mineral-Salzgestein und Erde. Auf diese Weise sind sie in der Lage, alle benötigte Vitamine und Mineralien zu sich zu nehmen.
Da „wir“ unseren Pferden dieses abwechslungsreiche Angebot nicht bieten können scheint es zunächst sinnvoll, beim Ergänzungs- oder Kraftfutter auf die Zusatzstoffe im Futtersack zu achten, die uns glaubend machen wollen dass damit die Ernährung des Pferdes ausgewogen sein wird, wenn wir die empfohlene Menge füttern.

Wilde Pferde leben z.B. in Steppen, Savannen, Tundren und Wäldern, sie wandern bis zu 18 Stunden mit ihren Herden viele Kilometer täglich und fressen kleine Mengen karge, strukturreiche und energiearme Kost. Pferde kommen mit kargem Futter bestens zurecht. Da ihr Magen fortlaufend Magensäure und die Leber ständig Gallenflüssigkeit produziert können sie energiearme Kost effizient aufschlüsseln.
Längere Fresspausen bedeuten für das Pferd also ein steigendes Risiko für Magen- Darmerkrankungen!

Da unsere Pferde mit Husten auf Heufütterung reagierten, auch wenn wir es in einer speziellen Heutauche ballenweise nass machten, fütterten wir Heulage. Da Stroh auch nicht vertragen wurde, stellten wir den Pferden Heulage fast rund um die Uhr zur Verfügung. Bis auf das „arabische Volk“ hatten alle Pferde ein ganzjähriges Reservepolster auf den Rippen.
Es dämmerte uns im Hinterkopf, dass das Gras unserer Weide und die Heulage nicht alle Nährstoffe enthalten könnte, die die die Pferde brauchen und die Futtermittelhersteller bestätigten uns das. So gab es noch einige 100g „energiearmes, mineralisiertes ligth Futter“ für jeden und Hafer für das „arabische Volk“ plus „hochwertiges“ (teuer muss gut sein!) Mineralfutter.

Von Jahr zu Jahr legten die Pferde langsam aber stetig an Gewicht zu. Die Tatsache, dass durch ständiges Übergewicht Gesundheitsprobleme auftreten können ist einfach nicht von der Hand zu weisen. Um die Fresszeit zu verlängern ohne das Angebot zu reduzieren, packen wir seit 2010/2011 die Heulage in engmaschige Heunetze. Die deutlich übergewichtigen Pferde tragen stundenweise einen Maulkorb, - auch im Winter. Grundsätzlich ist gutes Heu immer der Heulage vorzuziehen!!!! Warum? Darum! Oder so erklärt, oder auch so. Dauerhafte Heulagefütterung macht Pferde krank.

Heufütterung löste bei Jocker und 2 weiteren Pferden leider noch immer Husten aus, wenn es über mehrere Wochen gefüttert wurde. Ich hoffe sehr dass wir es schaffen werden allen Pferden Heu füttern zu können. Ich werden das immer wieder probieren. Ein neuer Versuch wird 2013/14 gestartet.

Für 7 von 9 Pferden sind die Heunetze ( 3,5 x 3,5cm Maschenbreite) ausreichend um das Gewicht im Winter auf einem guten Niveau zu halten. 2 brauchen stundenweise einen Maulkorb um die Futteraufnahme zusätzlich zu erschweren.

Es ist gesundheitsfördernd Raufutter so nah am Boden wie möglich zu füttern und damit die natürliche Aufdehnung der Wirbelsäule zu ermöglichen. Auf der Weide kommt eine langsame Fortbewegung dazu. Auf diesen Bewegungsanreiz müssen unsere Pferde im Winter verzichten, aber sie haben die Möglichkeit auf einem angelegten Treck, um einen großen Teil der Weide herum nach einzelnen Grashalmen zu suchen. Noch besser wäre es, einen Bewegungsanreiz zu schaffen in dem man an der entlegensten Ecke des Weges Futter oder Wasser anbieten würde, aber das ist organisatorisch bei uns leider nicht möglich.

Als wir Anfang 2011 unsere Pferden auf getreidefreies Futter ohne Chemie zu füttern, boten wir zur Aufwertung des artenarmen Heus und Weide Bottichen Futter Natur an. Alexandra Kluxen hatte es nach intensiver Recherche und mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Dadurch bekamen die Pferde augenscheinlich bedarfsgerecht angeboten, was durch die Industrialisierung der Landwirtschaft von unseren artenarmen Wiesen und Weiden verschwunden ist. Der Artenreichtum ist vorsätzlich durch einseitige Aussaht von Hochleistungsgräsern, Düngung und Einsatz von Herbizide vernichtet worden. Heute denkt jeder den ich frage wie denn eine Weide oder Heuwiese aussieht, an eine gleichmäßig gründe Fläche von mehr oder weniger hohen Gräsern.
An was hast Du gedacht?

Erinnerst Du Dich noch an gelb /weiße Margeriten, Klatschmohn in vielen Rottönen, blaue Kornblumen, weiße Schafgarbendolden, Käfer, Bienen und Schmetterlingen auf einer Wiese? Ich habe als Kind auf solchen Wiesen gespielt und meiner Mutter unzählige bunte Blumensträuße mitgebracht.
Ich kenne nicht mal einen Platz an dem ich im Sommer solche natürliche Blumenpracht bewundern könnte.
Das möchten wir ändern und unsere Weiden Stück für Stück wieder renaturieren.

Zweige und Rinden heimischer Laubgehölze gehören eigentlich auf den abwechslungsreichen Speisezettel unserer Pferde. Nicht nur als Beschäftigung sondern wegen ihrer gesunden Inhaltsstoffe. Da ich selten die Gelegenheit habe den Pferde Zweige zur Verfügung zu stellen mache ich mit den Pferde hin und wieder wie ich es nenne, einen „Kulinarischen Spaziergang“. Mittlerweile kenne ich ich einigen Stellen im Wald wo sie gern an Zweigen und Mosen knabbern. Aber dafür ist im Alltag viel zu wenig Zeit. Aus diesem Grund bekommen die Pferde die Waldweide – Mischung von mir.

Die meisten Pferde die ich kenne, sind zu dick. Sie brauchen unter keinen Umständen irgend ein Müslifutter als Energieträger und würden auch keine speziellen Mineralfutter benötigen, wenn das Futter ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechen würde.
In der Vergangenheit ist es den Futtermittelherstellern gelungen, unser Bauchgefühl kein Futter von ihnen zu kaufen damit weg argumentiert, dass die Pferde an Mangelerscheinungen erkranken könnten und wir durch ausgewogene Zufuhr von Vitaminen, Mineralien und co. ein Sättigungsgefühl unterstützen könnten. Irgendwann hatte ich diese Argumentation oft genug gehört um für unsere übergewichtigen Pferde ein energiearmes Zusatzfutter zu kaufen, von dem sie zwar nur wenige 100g täglich bekamen, aber Werbung und Futterberatung der Herstellerfirmen (z.B. auf Messen), hatten es geschafft, ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und so unseren „Moppels“ zu einem gesundheitsfördernden? „Leckerschmecker“ verholfen.

Unser Hirn hat offensichtlich noch rechtzeitig wieder begonnen zu arbeite. Unsere Pferde sind bis auf den Araber – Senior alle mehr oder weniger zu dick. Sie bekommen seit Anfang 2012 Futter von Balance4Animals individuell zusammen gestellt. Das ist nicht preiswert, aber gesunde Pferde sind enorm kostengünstig im Vergleich zu den TA – Kosten die durch falsche Ernährung entstehen können.

Häufig sind übergewichtige Pferde genau so schlecht bemuskelt wie ihre dünnen Kollegen, aber es fällt wesentlich weniger ins Auge. Unsere schlankeren Pferde fütterten wir stets mit einem guten Gewissen. Meist Hafer kombiniert mit einem Müslifutter das mit seinen wertvollen Bestandteilen Haut, Huf und Fell zu bester Qualität verhelfen sollte. Dazu Kurweise Hefe und Mineralien.

Die Pferde, die als „zu dünn“ angesehen werden, sind häufig auch deutlich „unterbemuskelt“. (Lassen wir an dieser Stelle mal die Senioren außer acht und denken nur an die Pferde die unter Reitern bewegt werden.) - Dass wird leider sehr häufig verwechselt. Es ist richtig, dass Muskeln zu Aufbau Energie benötigen aber vor allem brauchen Muskeln angemessenes Training. Füttern allein reicht nicht. Zu viel und falsches Training reduziert die Muskulatur. (Wer hat behauptet, Pferdehaltung sei leicht?)

Konstanze Rasch mit ihrem Buch „Diagnose Hufrehe“ und Alexandra Kluxen  haben für mich eine grundlegende These in den Vordergrund gestellt:

Getreide ist keine natürliches Pferdefutter
Wenn wir den Speisezettel frei oder wild lebender Pferde betrachten, ist er sehr abwechslungsreich. Wir reduzieren diese Vielfalt bei den domestizierten Pferden auf einige wenige Hochleistungsgräser entweder frisch als Weide, angewelkt und vergoren als Heulage oder Silo, oder getrocknet als Heu.

Mal davon abgesehen, dass ich froh bin, dass sich unsere Pferde ihr Futter im Winter nicht über weite Strecken spärlich zusammensammeln müssen und sich keinem Existenzkampf stellen müssen, haben wir uns angemaßt unseren Pferden einen großen Anteil an Nahrungsvielfalt aus dem Speisezettel zu streichen. Übrig geblieben ist ein deutliches zu viel an Energie (Hochleistungsgräser). Den Mangel versucht nun die Futtermittelindustrie mit noch mehr Energie, nämlich Getreide, angereichert mit Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen dem sich sorgenden Pferdebesitzer als unverzichtbar anzupreisen.
Ich bin sicher, dass eine Zunahme von Stoffwechselkrankeiten in Zusammenhang mit der Industrialisierung der
Pferdefütterung besteht und im Zusammenhang mit einer gestörten Darmtätigkeit stehen.
Füttern von Getreide birgt das Risiko, dass die enthaltene Menge an Stärke nicht vollständig im Dünndarm verdaut wird und damit das Gleichgewicht der Mikroorganismen im Dickdarm stört .Blähende Gase sind die Folge.
Frau Dr. Weyrauch hat diesen anschaulichen Artikel zum Thema verfasst.

Falsche Fütterung kann angelaufene Beine, Gallen Fühligkeit der Hufe, Mattigkeit, Muskelzittern, Spannungen, ein aufgeblähter Bauch, Kotwasser, Durchfall und Koliken verursachen.
Rohfaser ist und bleibt die Antwort auf Probleme dieser Art.

Leider sind Pferde auch keine reinen Grasfresser, wie man uns glauben machen will. Hier ein guter Bericht von Herrn Töllner zum Thema. Durch gutes Weide-Management ließe sich die Rehe-Gefahr bei vielen Pferden mindern und es Rehe-Pferden begrenzen Weidegang ermöglichen. Hier eine kleine Gräserkunde.
Das Konzept der getreidefreien Fütterung hat uns sehr angesprochen. Also haben wir im März 2011 das letzte Müslifutter und Haferkörner an unsere Pferde verfüttert und auf Futter Natur umgestellt. Und so ist es unseren Pferden damit ergangen. ....
Seit September 2012 bekommen unsere Pferde individuelle Futtermischungen von balance4animals.de
Je nach Bedarf des einzelnen Pferdes können unterschiedliche Kräuter, Johannisbrot, Hanf und mehr in einem Futtersack zusammengestellt werden.
Besonders während des Fellwechsels brauchen unsere Pferde Unterstützung!

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